Ergänzungen zur aktuellen Situation der VWL

"VWL-Studenten kritisieren Theorien: Im Zweifel gegen die Lehre"

Der im "Spiegel Online" vom 16. August unter dem Titel "VWL-Studenten kritisieren Theorien: Im Zweifel gegen die Lehre" veröffentlichte Artikel von Claudia Wessling (Netzwerk Plurale Ökonomik  Studenten gegen VWL-Lehrpläne - SPIEGEL ONLINE.htm) formuliert eine zunehmende Unzufriedenheit am Fach VWL. Kritisiert wird die zu geringe Zahl von wichtigen Aspekten wirtschaftlichen Denkens und Handelns in den theoretischen Konstrukten und Lehrinhalten: "zu realitätsfern, zu marktgläubig, zu einseitig". Die Forderungen heißen: Einbeziehung von Dimensionen aus den Disziplinen Soziologie, Jura, Philosophie, Psychologie und Politik. Die Erfüllung dieser Wünsche führt allerdings zu einer ungewohnten Vielschichtigkeit der volkswirtschaftlichen Inhalte, sowohl in der Lehre als auch in der Forschung. 

Sich dieser Komplexität zu stellen, ist nicht nur aus akademischen Gründen sinnvoll und notwendig. Die beruflichen Anforderungen, mit denen sich die Absolventen nach dem Studium konfrontiert sehen, sind mindestens gleichrangig zu gewichten. 

Es gilt, den Kanon vorhandener methodischer Hilfsmittel zu ergänzen. Dazu ist der Einsatz modellhafter Konstruktionen in besonderer Weise geeignet. Die intensive Verwendung von solchen anspruchsvollen "Analogien" zur realen Welt wird in einem vor kurzem veröffentlichten Positionspapier des Wissenschaftsrats nachdrücklich gefordert. 

Genau hier setzen die geschilderten Verfahren einer komplexen Modellierung, wie sie im Rahmen langjähriger Komplexitätsforschung entwickelt wurden, an. Sie lassen sich als ergänzende Lehrinhalte problemlos in den Studiengang integrieren. Inhalte und Abfolge sind in dem beigefügten Papier "Modellierung  komplexer  sozioökonomischer Strukturen" skizziert. Insbesondere lassen Strukturmerkmale, wie sie für stabile und resiliente Wirtschaftssysteme wesentlich sind, gezielt berücksichtigen. Neben Eigenschaften wie Vernetzung und Flexibilität gehören dazu ebenso Modularität und Dezentralisierung. Letztendlich werden damit auch die Qualitätskriterien für die Beurteilung volkswirtschaftlicher Konzepte differenzierter und aussagekräftiger.

Die Konstruktion der Modelle und der Umgang mit ihnen erfordern stets die aktive Beschäftigung gleichermaßen mit ökonomischen, technischen, organisatorischen,  sozialen, psychischen, politischen, ökologischen und kulturellen Aspekten. Die Dynamik der Modelle erzwingt zudem, die sich entwickelnden Konsequenzen mit einzubeziehen. Die Ergebnisse der "Lohhausen-Studie" liefern dafür ein beeindruckendes Beispiel.

Jenseits der damit einhergehenden Kompetenzerweiterung der Studierenden wächst zugleich das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten für die Bewältigung der Aufgaben der Zukunft.

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